Kommentar: Von Paternostern & Polemik

von Detlef Hanz am 29.05.2015

Da ist sie wieder, die Polemik. Ein scheues Wesen, dass sich immer dann aus der Deckung wagt, wenn es so aussieht als seien die Hauptfeinde dieser leider nicht vom Aussterben bedrohten Art, Wissen, politisches Interesse, Presse und Erinnerung weit weg. Dann kommt sie die Polemik und tönt mit großen Worten, heroischer Gestik und immer haarscharf an den Fakten vorbei ihr grelles Lied in den Tag. Sie haust gerne versteckt und nutzt alle Bereiche des menschlichen Lebens als ökologische Nische. Besonders wohl fühlt sie sich aber in politischen Parteien, insbesondere in solchen die an Mangelernährung leiden, als da sind fehlende Wähler, fehlende Ideen und fehlende Visionen. Zur Zeit scheint sie sich in der ökologischen Sphäre namens FDP besonders wohl zu fühlen. Allerdings hat sie in diesem Fall einen entscheidenden Fressfeind übersehen – die Presse. Obwohl auch diese gelegentlich diesem Parasiten Polemik als Heimstätte dient ist sie das stärkste und wirkungsvollste Gegenmittel und sollte gehegt und gepflegt werden, zumal in ihrem Gefolge auch immer in kurzer Zeit die bereits erwähnten weiteren Feinde der Polemik folgen.

Kommentar: Remise das Stiefkind?

von Detlef Hanz am 25.11.2014

Vor einigen Tagen hatte ich das Vergnügen einem Benefizkonzert der Querflötenklasse der Musikschule Troisdorf unter der Leitung von Herrn Bernd Schlegel zu lauschen. Dieses Konzert erfolgte zugunsten der „Ärzte ohne Grenzen“ zur Betreuung und Behandlung von Ebola-Opfern in Afrika. Ein Konzert der Güteklasse, wie man es selten genießen kann, begleitet und unterstützt von einem virtuosen Pianisten und einem ebenso virtuosen Cellisten. Die Schülerinnen glänzten durch hochklassige und gefühlvolle Vorträge mit Stücken von z.B. Telemann, Haydn, Mozart (alles Querflöte). Ein I-Tüpfelchen wurde dem Ganzen durch eine junge Harfenistin mit einem Stück von Mtschedelow gesetzt.

Und dennoch – etwas störte, anders als in den vergangenen Jahren fand das Konzert nicht in der Remise sondern im Gemeindesaal von Sankt Gerhardt statt. Nicht dass etwas gegen diesen Veranstaltungsort spräche, ganz im Gegenteil war doch die Akustik dort hervorragend. Und dennoch, wieso fand dieses Konzert nicht in den äußerst stimmungsvollen Räumen der Remise statt, deren Alter und Atmosphäre so gut zu der dargebotenen alten Musik passt?

Auf mein neugieriges Fragen erfuhr ich, dass derartige Konzerte nicht mehr in der Remise stattfinden könnten, weil es dort weder einen Flügel noch ein Klavier gibt oder vielmehr nicht mehr gäbe. Zu meiner großen Überraschung sagte man mir, dass der Flügel entfernt worden wäre weil er zwar spielbar aber in keinem guten Zustand mehr gewesen sei. Eine Neuanschaffung erfolgte nicht!

Man glaubt es nicht, aber seitdem kann die Remise nicht mehr für Musikveranstaltungen genutzt werden, für die ein Klavier oder Flügel benötigt werden, noch nicht einmal von den Ensembles und Schülern der Musikschule Troisdorf. Ein Markenzeichen der Stadt wird damit ohne Not aufgegeben. Nun könnte man ja vielleicht der Meinung sein, dass solcherart Veranstaltungen im neuen Stadthaus stattfinden könnten, aber ist dieses zum einen für Veranstaltungen dieser Art und Größe überdimensioniert und auch akustisch ungeeignet und zum anderen – will man wirklich Jahrzehnte sinnvoller Investitionen und Aufbauarbeiten einfach so „wegwerfen“? Orte wie die Küz oder auch die Remise geben Troisdorf ein Gesicht und auch ein Profil, gerade bezogen auf (Klein-)Kunst und Musik. Fakt ist – die Remise kann für Veranstaltungen mit erforderlicher Klavierbegleitung derzeit nicht mehr genutzt werden, was die Nutzungs- und damit auch Ertragsmöglichkeiten in Gestalt interessanter Veranstaltungen für die Stadt erheblich einschränkt. Mal abgesehen davon, das Veranstalter oder Hochzeitsgesellschaften es sich zweimal überlegen werden, ob sie 400 – 500‚¬ € für eine Veranstaltung oder eine Hochzeit zusätzlich ausgeben werden, um ein Klavier anzumieten. Zuzüglich Transport- und Versicherungskosten natürlich.

Hier wird anscheinend gerade seitens der Stadt bzw. der Verantwortlichen im Veranstaltungsmanagement ein veritabler Rohrkrepierer produziert. In die Remise gehören Veranstaltungen aller Art insbesondere musikalische Veranstaltungen und damit ein Klavier oder ein Flügel. Wer Millionen für eine Stadthalle investieren kann, sollte in der Lage sein auch die lohnende Investition in ein Klavier zu stemmen. Mal abgesehen davon, wer sagt denn, dass ein solches klavier kommerziellen Veranstaltern oder privaten Gesellschaften kostenfrei zur Verfügung gestellt werden muss? Jeder wird einsehen und bereit sein, zwecks Pflege, Wartung und Refinanzierung einen Kostenanteil zu übernehmen. 50,- € zum Beispiel dürften eine Größenordnung sein, die weder zu groß noch zu klein ist. Und Veranstaltungen der städtischen Musikschulen bzw. Veranstaltern von Benefizveranstaltungen diese Kosten zu erlassen, dürfte selbst einen Troisdorfer Haushalt nicht in den Ruin stürzen.

Ach und bei der Gelegenheit noch ein Tipp an die Damen und Herren von der Presse – die Veranstaltungen der Musikschule, insbesondere aber gerade die der Querflötenschüler, sind auf jeden Fall einen Besuch wert.